Das Fernsehen kommt


SPIO-Statistik der Besucherzahlen von 1946 - 1956

SPIO-Statistik der Besucherzahlen von 1946 - 1956


Eine andere Entwicklung, die sich im Laufe der fünfziger Jahre noch von selbst ins Blickfeld drängen sollte, war die des Fernsehens. Am 25. Dezember 1952 hatte der NWDR damit begonnen, ein regelmäßiges Fernsehprogramm auszustrahlen. Dem Frankfurter Kinomann Siegfried Lubliner, ZDF-Vertreter in einer Fernsehkommission der SPIO und langjähriger Vorsitzender der ZDF-Tarifkommission, schätzte auf einer Tagung im Juni 1953 die Lage freilich noch nicht als dramatisch ein. 3000 Bildschirme flimmerten in der Bundesrepublik, und die Verkaufszahlen schienen nicht sehr schnell zu steigen. Als akute Konkurrenz ließen sich allenfalls die Fernsehgeräte in Gastwirtschaften betrachten. Kopfschmerzen bereitete im ZDF allerdings der Gedanke, die Fernsehanstalten könnten größere Projektionsstätten errichten.

Zwar billigte der ZDF im Juni 1953 einen SPIO-Vertragsentwurf mit dem Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) Berlin, der Vorbildcharakter für spätere Verträge mit den westlichen Fernsehanstalten haben sollte - die nicht zustande kamen -, aber als ernste Bedrohung galt das Fernsehen zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Entsprechend schien Lubliner, der bei der ZDF-Tagung auch über Vorführungen von 3D- und Cinemascope-Verfahren in Paris referierte, die inhaltliche Qualität eines Films noch wichtiger als seine technische. Den Hauptgrund für die technische Aufrüstung der deutschen Kinos in den fünfziger Jahren - im Dezember 1953 gab es zwei Cinemascope-fähige Kinos, in 1955 deren 2011 - bildete also nicht so sehr die wachsende Stärke des Konkurrenzmediums Fernsehen als der interne Wettbewerb in einer boomenden Branche, in die ständig neue Investoren drängten. Für die US-Filmindustrie dagegen, die diese technischen Neuerungen exportierte, war der Kampf gegen das Fernsehen schon voll entbrannt.
 

 

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