Aus VWF wird ZDF  
nächste Seite weiter
 

Am 23. Mai 1949 wurde das vom Parlamentarischen Rat beschlossene Grundgesetz verkündet und damit die Bundesrepublik Deutschland von den Westalliierten in weitgehende Souveränität entlassen. Damit wuchs auch der VWF eine neue, souveränere Rolle zu. Auf der VWF-Vorstandssitzung am 31. Januar 1950 in Wiesbaden standen verschiedene Namen zur Diskussion, die einem neuen - föderalistischen - Selbstverständnis Ausdruck verleihen sollten: Bundesverband der deutschen Filmtheaterwirtschaft, Bund deutscher Filmtheater, Bundesverband deutscher Filmtheater, Bundesverband deutscher Filmtheaterbesitzer, Bundeswirtschaftsverband deutscher Filmtheater.


Nach dem Mittagessen einigte man sich einstimmig auf "Verband der deutschen Filmtheater" - eine Entscheidung freilich, die keine 24 Stunden hielt. Schon einen Tag später revidierte sich der Vorstand der VWF, hob seinen Beschluss vom Vortag auf und einigte sich - wiederum einstimmig - auf den Namen "Zentralverband der deutschen Filmtheater" (ZDF). Wohl keine sehr glückliche Wahl, denn es lag vielleicht auch am Namen, dass es im weiteren nicht ohne Geburtswehen abging.

Das Gründungsprotokoll dieses "Zentralverbands der Deutschen Filmtheater" wies zunächst den 2. Februar 1950 als das entscheidende Datum aus, an dem die Mitglieder im Biebricher Schloss in Wiesbaden das Schriftstück unterzeichneten. Auch erscheint auf den meisten Protokollen und Unterlagen maschinenschriftlich dieser 2. Februar, und die Fachzeitschrift Film-Echo, soeben zum offiziellen Organ des neuen ZDF ernannt, machte am 10. Februar mit der Schlagzeile

  Gründungsprotokoll  

 

 

 

 

Gründungsprotokoll

Gründungsprotokoll

 
  auf: "Zentralverband gegründet". Vielleicht lag es am unglücklich zentralistisch klingenden Namen, vielleicht am Gründungsverfahren, das wenig Rücksicht auf basisdemokratische Empfindlichkeiten genommen hatte: offenbar wurde Widerspruch laut. Der muss immerhin so heftig gewesen sein, dass in Film-Echo am 1. März 1950 erstaunlicherweise wieder der VWF in einer Stellungnahme auf der Titelseite zur "Ausräumung irrtümlich gebildeter Auffassungen" schritt, die Wogen zu glätten versuchte und die Notwendigkeit demokratischer Legitimation von neuem Namen, neuer Satzung und neuem Haushaltsplan unterstrich. Auf dem Gründungsprotokoll des ZDF jedenfalls wurde die maschinenschriftliche "2" durch eine handschriftliche "3" ersetzt, so dass als Gründungsdatum nun der 2.3.1950 zu lesen ist, ein Termin, an dem allerdings der "ZDF in Gründung" tatsächlich in Wiesbaden-Biebrich tagte.

Hans Kahlert, erster Geschäftsführer des ZDF
       

 

nächste Seite weiter