Gegen die Quota  
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Um die unter der Übermacht Hollywoods leidende deutsche Filmwirtschaft zu stärken, diskutierte die Branche im Frühjahr 1951 zwei Pläne: zum einen ein mögliches Bundesgesetz mit "Quota"-Regelung, die - bei frei bleibendem Filmimport, die Bundesrepublik war gerade dem GATT beigetreten - einen bestimmten Prozentsatz deutscher Produktionen am Spielplan durchsetzen sollte, zum anderen die von SPIO-Geschäftsführer Theo Aulich vorgetragene Idee, einen "Film-Groschen" zu erheben und zehn Pfennig auf den Preis jeder Kinokarte aufzuschlagen. In der Jahreshauptversammlung Ende Mai 1951 hatten sich die Delegierten jedoch zunächst einem anderen, traurigeren Thema zu widmen. Präsident Ludwig Fasler war im Alter von 48 Jahren nach einem Herzanfall plötzlich verstorben. Für ihn rückte Friedrich Sieger aus Esslingen ins Präsidium nach. Die vier Präsidiumsmitglieder, zu denen seit Gründung des ZDF noch Johannes Kalbfell, Reutlingen, Heinrich Kempken, Essen, und Georg H. Will aus Hannover gehörten, sollten in Zukunft vierteljährlich die Präsidentschaft übernehmen.

  SPIO-Statistik der Spielfilmproduktion von 1946 - 1958 SPIO-Statistik der Spielfilmproduktion von 1946 - 1958  

 

 

 

 

 

 
Einstimmig beschloss die Versammlung ein Memorandum an den Bundestagsausschuss für Presse, Rundfunk und Film, in dem der ZDF die Quota-Regelung als untaugliches und wirtschaftlich schädliches Mittel zur Unterstützung der deutschen Produktion charakterisierte. Zwar sei die Filmtheaterbranche prinzipiell von der Notwendigkeit der Förderung des deutschen Films überzeugt, aber die hohen Belastungen einer Quota-Regelung zum Ausgleich der wirtschaftlichen Schwächen einer Nachbarsparte (der Produzenten) seien nicht hinnehmbar. Favorisiert wurde dagegen, wie schon auf vorangegangenen Sitzungen, die Einführung des Filmgroschens. Als andere Maßnahme gegen eine drohende Quotierung - im Gespräch war eine Festsetzung des Anteils der deutschen Filme auf 27 Prozent - unterstützte der ZDF die Gründung einer Bezugsgenossenschaft der Filmtheaterbetriebe - die nicht zustande kam. Deren Mitglieder hätten sich verpflichten sollten, einen bestimmten Anteil an deutschen Produktionen zu spielen. Der entscheidende Unterschied dabei war die relative Freiwilligkeit, im Grunde eine autonom bestimmte Quote, die ein Quota-Gesetz verhindern sollte.
Projektor aus den 50 ziger Jahren
Projektor aus den fünfziger Jahren
 
       

 

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