Die erste FFG-Novelle  
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Schon im Januar 1970 hatte die Bundesregierung den Entwurf eines "Gesetzes zur Änderung des Gesetzes über Maßnahmen zur Förderung des deutschen Films" vorgelegt, dessen Ziel es vor allem war, kulturelle Aspekte in der Wirtschaftsförderung durch die FFA zu stärken. Am 18. Juni 1971 passierten die noch recht behutsamen Änderungen den Bundestag, und am 9. August trat die Gesetzesnovelle in Kraft. Besonders eine Neufassung der sogenannten Sittenklausel in § 7, Absatz 9, kennzeichnete das überarbeitete Gesetz. Filme, "die gegen die Verfassung oder die Gesetze verstoßen oder das sittliche oder religiöse Gefühl verletzen", sollten von

  einer Förderung ebenso ausgeschlossen sein wie Filme "von geringer Qualität" mit "Darstellung von sexuellen Vorgängen und Brutalitäten in aufdringlich vergröbernder spekulativer Form." Auch erhöhte das Gesetz den Zusatzbetrag für die Förderung von Qualitätsfilmen, wozu Prädikatsfilme, aber auch "gute Unterhaltungsfilme" zählten, solche Filme, die bei der Vergabekommission der FFA einen "guten Gesamteindruck" hinterließen. Die Qualitätsdiskussion war mit dieser ersten Novelle allerdings in keiner Weise vom Tisch. Genausowenig wie die Diskussion um den wirtschaftlichen Nutzen der gesetzlichen Umverteilung innerhalb der Filmwirtschaft.  

 

 

           
 
Katzelmacher
"Katzelmacher", BRD 1969, R.: Rainer Werner Fassbinder
   
           
  Noch am 16. und 17. Juni 1971, einen Tag vor der Verabschiedung durch den Bundestag, hatte Dr. Engelbrecht bei einer Aussprache mit der "Arbeitsgemeinschaft Neuer Deutscher Spielfilmproduzenten" bemerkenswerte Allianzen gesucht, war doch der Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft, der Autorenfilmer Dr. Alexander Kluge, einer der vehementesten Kritiker des kulturellen Zustands der deutschen Filmwirtschaft. Der HDF wollte die Kritik am Niveauverlust dadurch austrocknen, dass er die Kritiker für eine institutionalisierte Mitarbeit in der FFA begeisterte. Doch nicht nur die Regisseure   des Neuen Deutschen Films, Produzenten und Kritiker waren mit der ersten Novelle unzufrieden, auch der Bundesrat forderte eine grundsätzliche Neuregelung der staatlichen Filmförderung zum Zweck der Ergänzung der wirtschaftlichen Förderung um eine von Bund und Ländern gemeinsam getragene kulturelle, wobei der Spielraum des Bundes in Fragen der Kulturförderung immer durch die Kulturhoheit der Länder beschränkt blieb. So war absehbar, dass nach Ablauf der ersten Änderung des FFG eine große Novellierung bevorstand.    
       

 

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