Dr. Kluge, Dr. Engelbrecht  
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Immerhin sollte sich der erstaunliche Schulterschluss mit der Arbeitsgemeinschaft Neuer Deutscher Spielfilmproduzenten im nächsten Jahr auszahlen. Ministerialdirigent Böttger vom Bundeswirtschaftministerium stellte bei der HDF-Mitgliederversammlung am 28. Juni 1972 den Delegierten die Position der Bundesregierung dar. Man überlege, ob eine prozentuale Abgabe nicht doch sinnvoller sei als die Ein-Groschen-Lösung. Als wesentliche Interessen der Regierung bei einer großen Novelle nannte er die Verschärfung des Qualitätsanspruchs, die Ablehnung minderwertiger Filme und ein kleineres Einspiel-Soll für wertvolle Filme. Dr. Engelbrecht entgegnete, dass das bisherige Gießkannen-Prinzip die Hoffnung auf große, repräsentative Filme nicht erfüllt habe; es müsse durch eine Projektförderung abgelöst werden. Immerhin sei im vorliegenden Entwurf die

 

Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König
"Ludwig - Requiem für einen jungfräulichen König", BRD 1972, R.: Hans Jürgen Syberberg

 

 

 

           
 

Kinosterben und -umbau in den Siebzigern
 

Erwähnung einer Fernsehabgabe positiv zu sehen. Der Entwurf zu dieser zweiten Novelle, die ursprünglich zum 1. Januar 1973 hätte in Kraft treten sollen, war zu der Zeit nach einem Schreiben des HDF-Präsidiums freilich schon im Bundeskabinett gestoppt. Zwar zeigten sich Verleiher und Produzenten mit der Novelle, die das damalige Bundesministerium für Wirtschaft und Finanzen erarbeitet hatte, recht zufrieden, der HDF und die "Arbeitsgemeinschaft

   
           
 

Neuer Deutscher Spielfilmproduzenten" forderten dagegen eine große Novelle in anderer Form. Alexander Kluge sprach sich in dieser Koalition gegen die Erhöhung des Filmgroschens aus, dafür machte sich Dr. Engelbrecht für eine angemessene Subventionierung der Jungfilmer stark. Auf der Mitgliederversammlung im Juni 1973 wurden Dr. Engelbrecht und Helmut Woeller - wie in den Vorjahren - per Akklamation und einstimmig wiedergewählt. Engelbrecht nannte die aktuell vorliegende Neufassung der zweiten Novelle des FFG, die im

 
Kino Burg-Theater
Kino Burg-Theater, Koblenz, 1970
   
           
 
Schachtelkino
Schachtelkino der Siebziger
  wesentlichen einem von den Kirchen im April 1973 vorgeschlagenen Entwurf entsprach und die inzwischen sowohl eine Projektförderung als auch eine Fernsehabgabe vorsah, einen trotz gewisser Mängel "allerseits akzeptablen Kompromiss", forderte aber zugleich eine wirkliche Subventionierung der Filmwirtschaft durch die Öffentliche Hand. Auch der anwesende Ministerialrat Bieberstein aus dem Bundeswirtschafts-ministerium lobte die Zusammenarbeit mit dem HDF als "Musterbeispiel an Cooperation" zwischen Regierung und Wirtschaft, gab aber zu bedenken, dass bei staatlicher Förderung heute das Experiment im Vordergrund stehe. Wirtschaftssubventionen im Sinne des HDF waren damit nicht zu erwarten.    
           
           
       

 

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