Scepaniks Memorandum  
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Je weiter das Gesetzgebungsverfahren fortschritt, desto klarer wurde im HDF, dass die kulturellen Interessen des Neuen Deutschen Films mit den wirtschaftlichen Interessen der Filmtheaterbranche nicht ohne weiteres zu vereinbaren waren. In einem Memorandum vom 1. November 1973 brachte Klaus Scepanik die Kritik an dem Schulterschluss mit Kluge, der in einem Artikel "Kein Filmförderungsgesetz um jeden Preis" seine Haltung sehr deutlich dargelegt hatte, auf den Punkt: "Wer Kluge bejaht oder unterstützt, lässt sich - bewusst oder unbewusst - vor den Karren filmpolitischer Systemveränderer spannen." Kluge hatte Projektförderung für "kulturell qualifizierte Filme" gefordert, eine Erweiterung des FFA-Verwaltungsrats um "progressive Stimmen" - um Nachwuchs, Filmhochschulen, Filmkritiker und unabhängige und Kommunale Kinos -, und Kluge wollte keine Fernsehabgabe, sondern ein Fernsehrahmenabkommen. Scepanik sah bei einem Verzicht auf die Fernsehabgabe die Gefahr einer Erhöhung des Filmgroschens um mehr als 50 Prozent, und die Erweiterung des Verwaltungsrats durch progressive Kräfte bedeutete für ihn die Demontage der wirtschaftsfördernden Aspekte des FFG. An beiden Forderungen sollte der HDF gegen den Kompromisskurs von Dr. Engelbrecht festhalten, der zudem in Zukunft nicht mehr alleine in Fragen der Filmförderung verhandeln sollte. Für Scepanik war es "fünf Minuten vor Zwölf".

 
Klaus Scepanik
Klaus Scepanik, HDF-Präsident 1976-1979
 

 

 

       

 

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