Traurige FFG-Bilanz  
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Auch die zwei Novellen des Filmförderungsgesetzes hatten nicht dazu geführt, dass die Besucherzahlen wieder stiegen. Gab es 1973 noch 144 Millionen Kinobesucher, wurde 1976 mit 115 Millionen das Rekordtief der siebziger Jahre erreicht. Schon am 2. Juli 1975, nach etwas mehr als einjähriger Laufzeit der zweiten Novelle des FFG, resümierte die Mitgliederversammlung des HDF ihre Enttäuschung in einer Resolution: einige Festivalerfolge deutscher Filme könnten

  nichts daran ändern, dasspublikumsnahe Filme nicht auszumachen seien. Eine Quota für deutsche Filme, die auch wieder ins Gespräch gebracht worden war, werde auf den schärfsten Widerstand der deutschen Filmtheater stoßen. Auch stellten sich die Verbandsmitglieder hinter ihren Präsidenten Helmut Woeller, der sogar mit einer demonstrativen Einstellung der Abgabezahlungen an die FFA gedroht hatte.  

 

 

           
 
Lina Braake
"Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat",
BRD 1974, R.: Bernhard Sinkel
   
           
 

Das Resümee, das das HDF-Präsidium im folgenden Jahr, am 25. Juni 1976, in Film-Echo/Filmwoche zog, vertiefte die Ernüchterung: für den HDF war mit der zweiten Novelle das wirtschaftlich orientierte Filmförderungsgesetz zu einem kulturell orientierten "Fernsehförderungsgesetz" verkommen. Die Wechselwirkung zwischen der neu eingeführten Projektförderung und der eng damit verbundenen Förderung nach dem Film-Fernseh-Abkommen nannten Woeller und Scepanik "unheilvoll". Der paritätisch aus Film- und Fernsehvertretern besetzten Achter-Kommission der FFA würden nur

  Gemeinschaftprojekte zur Begutachtung vorgelegt, die bereits über den Tisch eines Fernsehredakteurs gegangen seien. Von den 27 Gemeinschaftsprojekten nach dem Film-Fernseh-Abkommen hatte, so konstatierte das HDF-Präsidium, nur eines bei einem breiten Kinopublikum Erfolg gehabt. Von insgesamt 20 projektgeförderten Filmen der FFA erhielten bis April 1976 15 zugleich eine Förderung mit Fernsehgeldern - drei Viertel der Mittel, die die Filmtheater für Projektförderung zahlten, flossen damit in Produktionen, die aus Sicht des HDF vor allem eines waren: fernseh- statt kinogeeignet.    
       

 

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