Schrumpfungsprozesse  
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Dem Besucherrückgang sollte zeitverzögert, dann jedoch dynamisch das Kinosterben folgen. 1959 gab es in der Bundesrepublik so viele "ortsfeste Filmtheater" wie nie zuvor: 7085 mit 2,9 Millionen Sitzplätzen. Zehn Jahre später verzeichnete die Statistik der SPIO gerade noch 3739. Was zunächst nach einem "Gesundschrumpfungsprozess" nach der überhitzten Konjunktur der fünfziger Jahre ausgesehen hatte, erwies sich schließlich als komplette Strukturveränderung: die meisten Theaterbesitzer mit zu geringem Einzugsgebiet sahen sich zur Betriebsaufgabe wegen Unrentabilität

  Zoo-Palast in Berlin
Vorführung für Polizisten im Berliner Kino Zoo-Palast von "Bullit", USA 1968, R.: Peter Yates
 
 
M.A.S.H.
Werbeaufsteller für "M.A.S.H.", USA 1969, R.: Robert Altmann
  gezwungen. Vor allem in den Dörfern und kleineren Gemeinden, besonders in Bayern, schlossen selbst traditionsreiche Kinos, überdurchschnittlich viele Lichtspielhäuser machten zudem in Großstädten dicht, wenn diese mit anderen Städten in Ballungsgebieten - wie dem Ruhrgebiet - in direkter Konkurrenz standen oder wenn die Kinos nur über ein begrenztes Einzugsgebiet verfügten wie in den Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie im isolierten West-Berlin. Die größten Überlebenschancen hatten in den sechziger Jahren Kinos in Gemeinden zwischen 10.000 und 100.000 Einwohnern
 
Auch in den Großstädten veränderte sich das Bild: Die Nachspieler hatten das Nachsehen, das Kino an der Ecke verschwand, es verschwand aus Vororten und Stadtteilen. Nicht nur das zeitversetzte Abspiel machte ihnen den Garaus, sondern auch das veränderte Freizeitverhalten eines immer jünger werdenden Publikums. Dieses war mobiler geworden, von den Innenstädten angezogen, wo in den sechziger Jahren die ersten Treffs, Clubs, Diskos, Läden der sich etablierenden Jugendkultur und neu entdeckten konsumorientierten Zielgruppe entstanden. Auf sie reagierte auch die Filmproduktion.  
Cartoon
Cartoon von 1965
       

 

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